Gestern war ich einkaufen. Ich, meine zwei Krücken und die Tragetasche.
Alter Hausfrauentrick: Nicht mit leerem Magen einkaufen gehen. Erstrecht nicht, wenn man mit zwei Krücken und nur einer Tüte kaufen geht. Zumal ich auch nur 10 min brauch bis ich aus der Tür bin. Ich wohne nämlich im zweiten Stock, mit 60 Treppen und keinem Aufzug. Ich wäre verhungert bis ich die Treppen runter und wieder hoch wäre. Hat man allerdings nichts zu essen im Haus, sitzt man in einer Zwickmühle.
Also Einkaufszettel schreiben und nur das wichtigste kommt drauf.
20 min später bin ich im REWE. Auf dem Weg dahin hab ich mir auch überlegt, ob ich mir ein Einkaufwagen nehmen soll, und ob das überhaupt hinhaut mit zwei Krücken, es haut nicht hin. Mich hätte es fast hingehauen, mit dem Versuch das auszuprobieren.
Also kein Wagen. Meine Tüte hängt an ihren Schlaufen um den rechten Krückengriff. Und damit husch ich flink wie ein eingeschlafenes Faultier durch die Gänge. Dabei fällt mir alle Naselang etwas auf den Boden, und jedes Mal ist eine stets freundliche und hilfsbereite REWE-Mitarbeiterin da, hebt es auf, gibt es mir oder stellt es wieder hin. Wie ein kleines Kind teste ich meine Grenze, indem ich frag wo denn die Vollkornspaghetti stehn und siehe da, sie bringt mir sie. Toll! Und der Orange-Nektarinen-Saft? Bringt sie mir auch. Klasse! Ich kann sogar auf das Band drei auflegen, sie macht die Kasse nämlich jetzt auf. Super! Alle die sich hinter mich anstellen, bereuen dass sie ihren strategisch besseren Platz an Kasse eins und zwei aufgegeben haben, denn mit einer Hand räumt sich ein, an einer Krücke hängender Beutel total schlecht aus. Daher bin ich mir nicht sicher, ob der nette Herr wirklich nett war, oder ob er nur genervt war, als er fragte ob er mir helfen soll. Beim Bezahlen stellt ich heraus das es noch kompliziert ist, mit einer Hand Geld aus einem Geldbeutel rauszufummeln, geschweige denn die Bankkarte, aus dem Kärtchenfach raus zu ziehen. Mit einer Hand auf einem losen Zettel zu unterschreiben ist noch komplizierter. Spätestens jetzt war der nette Herr genervt.
Keine drei Meter aus dem Konsumtempel, fragt mich eine nette Frau ob sie mir mit der Tüte behilflich sein kann. Super! Auch wenn ich ohne prallvolle Tüte genau so schnell wie mit bin, ist es doch eine Erleichterung. Vor der Haustür angekommen, kommt gerade ein Nachbar nachhause und wie das so bei einem guten Nachbarschaftsverhältnis ist, muss ich erstmal erzählen was ich denn genau habe, wie das denn so passiert ist, wie das behandelt wird und wie lange das dauert, während er mir die Tüte hoch trägt. Er kennt da einen Spezialisten (er bringt mir nachher die Nummer vorbei) und ein Freund von ihm hatte das auch, und er hat sich nicht operieren lassen. Klasse. Jetzt kenn ich schon 5 Spezialisten und 11 ferne Bekannte die das gleiche Schicksal hatten, wobei 4 von denen das nicht operiert hatten. Kennt noch jemand einen Spezialisten oder jemanden, der auch mal was am Knie hatte?
Ich könnte ja ne Strichliste machen, und der Spezialist mit den meisten Empfehlungen darf mich aufschlitzen, es sei denn die Umfrage ergibt, dass ich mich nicht operieren lassen soll…
Game of ... uh?!?
vor 11 Jahren
