Nachbarschaftsgeschichten

Donnerstag, April 11, 2019

Erziehung ist wie Autofahren

... jeder kann es am besten.

Als ich meine erste Tochter bekam, war ziemlich schnell, ziemlich klar, dass wir es erziehungstechnisch voll drauf hatten.

Wenn ich meiner Tochter “Nein” sagte und begründete, warum sie etwas nicht machen solle, hielt sie sich dran.
Wenn ich sie um etwas gebeten habe, hat sie es getan.
Gemüse, aß sie am liebsten.
Bevor sie sich ein neues Spielzeug nahm, räumte sie zuerst das andere Spielzeug auf.

Wenn ich mit anderen Eltern und deren Kinder zusammen war, überlegte ich was die wohl alles falsch gemacht haben.

Dann kam meine zweite Tochter und meine Überheblichkeit lies nach.

Die ist voll der kleine Satansbraten.
Wenn man zu ihr “nein” sagt, grinst sie nur und macht dann mit Augenkontakt weiter.
Sie hat Momente, da ist sie auf Krawall gebürstet und genießt es zu zänken und zu triezen.
Wenn sie aufräumen soll, schmeißt sie Sachen rum...
Auch das Prinzip “Belohnung und Bestrafung” funktioniert bei ihr nicht.
Wir sind gerade im Töpfchentraining. Wenn sie auf das Töpfchen geht, bekommt sie eine Belohnung (ein Buch mehr vorlesen, eine Folge auf dem Fernseher gucken oder Schokolade) motiviert sie nicht. “Dann halt nicht” bekomm ich als Antwort.
Oder wenn sie nicht aufräumen will, dann werden die Spielsachen eine Zeit lang aus dem Zimmer entfernt.
“Dann spiel ich halt mit was anderem”, sagt dann die zweijährige.

Ich hatte einfach nur das Glück, dass ich das liebste Kind der Welt bekommen hab. Das sensibel, brav, liebevoll, schlau und unglaublich intensiv sein soziales Umfeld einschätzen kann und dementsprechend reagiert.

Mit meiner zweiten Tochter habe ich ein ganz anderes Kind. Es ist witzig, neugierig, durchsetzungsstark, clever und voller Temperament.

Naja, daher ist es halt auch nicht die Erziehung, sondern der Charakter der ein Kind ausmacht. Und jedes Kind ist anders.

Denken Sie da mal dran, wenn sie sich von einem Kind gestört fühlen und die Eltern vorwurfsvoll angucken.

Freitag, Februar 01, 2019

Rabenmutter

Als ich Schwanger wurde und mein Mann und ich die Entscheidung treffen mussten, wer wie arbeitet und wer wann auf unsere Tochter aufpassen würde, waren wir uns eigentlich schnell einig.

Für mich war klar, dass ich wieder arbeiten gehen möchte und das auch bereits nach den acht Wochen Mutterschutz. Selbstbestimmung und Unabhängigkeit haben für mich einen hohen Stellenwert und dies hängt nun mal mit einem gut bezahlten Job eng zusammen.
Wir hatten einen Kitaplatz gefunden, der unsere Tochter mit vier Monaten aufnahm und die Zeit bis dahin wollte ich in Teilzeit überbrücken.
Damals haben verschiedene Umstände bei meinem Arbeitgeber dazu geführt, dass ich doch nicht Teilzeit arbeiten kann und ich statt dessen wählen musste zwischen Karriere oder Teilzeit.
Long story short: ich wählte die Karriere und mein Mann blieb zuhause.

Es folgte eine Zeit die mich an meine Grenzen brachte. Neben dem Schlafentzug, Stillen, steigender Verantwortung und neuen Themen in die ich mich hineinarbeiten musste, war kaum Platz für mich. Es gab Tage, da habe ich nicht mehr als eine Stunde am Stück geschlafen und in der Summe auch oft nicht mehr als 4 Stunden. Aufgrund des Schlafentzuges hatte ich Sehstörungen. Bunte Sterne flatterten vor mir rum, so dass ich nicht mehr Autofahren konnte. Ich habe ständig Dinge vergessen, war meistens zu spät und habe die Zeit im Büro eigentlich nur aufgrund einer fabelhaften Assistenten gemeistert.

Zuhause war es teilweise ebenfalls grenzwertig, war unser Haus vor dem Kind immer tipptopp aufgeräumt, mussten wir uns daran gewöhnen, dass es nun nicht mehr normal war. Wäsche stapelte sich, Geschirr stand rum, an putzen oder Dinge organisieren war in dieser Zeit kaum zu denken.
Und das war auch wiederum ein Faktor, der stresste. Denn Unordnung machte mich wahnsinnig.

Wenn man mich heute fragt, würdest du es denn wieder so machen, wüsste ich ehrlich gesagt nicht, was die Antwort wäre.
Natürlich war es nicht schön, wie ich mich in dieser Zeit gefühlt habe. Natürlich war das Mega anstrengend. Und man hätte das auch sicher irgendwie besser lösen können.
Aber letztendlich hat es mich auch dahingebracht wo ich heute bin.
Es hat mir ermöglicht richtig krass Karriere zu machen, Erfahrung aufzubauen und mich selbst weiterzuentwickeln. Ich habe für mich festgestellt, bis wohin ich mich organisatorisch wohlfühle und bis wohin Geld glücklich macht.

Um das herauszufinden, muss man über die Grenzen hinausgehen, nur um dann festzustellen, dass es das nicht ist.
Bei mir war es ein konkreter Moment: ich freute mich meine Tochter vom Kindergarten abzuholen, denn eigentlich macht dies mein Mann. Wenn ich das gelegentlich übernahm, war die Freude immer riesig. Meine Tochter lief schon aus der Ferne in meine Arme und dazu quiekte sie fröhlich.  Das ist  immer ein toller Augenblick.
Aber an diesem Tag, hat mich meine Tochter gefragt, warum sie immer das letzte Kind im Kindergarten sein muss und ob ich sie nicht früher abholen kann. Das hat in mir was zerrissen.

Auf dem Höhepunkt meiner Karriere angekommen, habe ich meine Tochter morgens eine halbe Stunde während des Aufstehens- und Fertig-mach-Ablaufes gesehen und wenn ich abends heim kam hat sie schon geschlafen. Mir wurde klar, dass ich so eigentlich nicht weiter machen wollte.

Um die Erzählung abzukürzen: ich entschied mich, auf der Arbeit kürzer zu treten, ging in die 4-Tage-Woche und hatte einen Mutter-Tochter-Tag die Woche. Ohne Handy, ohne Laptop, ohne Erreichbarkeit. Nur ich und meine Tochter. Und das war die schönste Zeit.

Wir haben uns für ein weiteres Kind entschieden. Ich wurde schwanger und nach der Schwangerschaft machte ich ein halbes Jahr Elternzeit. Ich suchte mir einen neuen Job, bei dem ich jetzt knapp die Hälfte verdiene, aber ich bin auch doppelt so glücklich.




Montag, Januar 28, 2019

Flashback

Ich hatte eine schöne Kindheit.
Das Fazit schon mal zu Beginn ... denn es folgen keine vollmundigen Erzählungen einer Bilderbuch-Kindheit.
Ich stamme aus armen Verhältnissen. Meine Mutter ein Migratenkind, mein Vater ein Waisenkind aus dem Rand der Gesellschaft.
Ich kann mich an Zeiten erinnern, da musste gerade am Monatsende dass zum Essen reichen, was damals vom Flaschenpfand noch übrig war.

Als meine Eltern sich kennenlernten, wohne mein Vater in einem Zelt. Einen festen Wohnsitz hatte er nicht mehr, seit er mit 18 aus dem Waisenhaus kam.
Er ging zur Bundeswehr und wurde Matrose. Die Geschichten die mein Vater aus dieser Zeit erzählt sind so verrückt und wunderschön wie er selbst. Dazu vielleicht mal ein andermal mehr.

Meine Mutter ist mit 12 nach Deutschland gekommen. Mein Opa arbeitete als Gastarbeiter „uff da Hütt“ wie man so schön sagt. Meine Oma war Köchin in einem Restaurant.
Meine Mutter und ihre Schwester gingen hier zur Schule. Als meine Großeltern beschlossen wieder zurück nach (damals) Jugoslawien zurück zukehren, blieb meine Mama mit ihrer Schwester hier in Deutschland. Die genauen Umstände kenne ich nicht, nur soviel, dass meine Mutter noch Minderjährig war.
Sie arbeitete in Kneipen und lernte dort auch meinen Vater kennen.

An die erste Wohnung an die ich mich erinnern kann, war eine winzige drei Zimmerwohnung in den Slams einer Vorstadt. In meinem Zimmer war Platz für mein Bett und einer Spielzeugkiste. Spielzeug hatte ich nicht viel. Am liebsten spielte ich mit einer Holzkiste, die mein Schiff darstellte, einem Keramikhund (Hasso) und meinem Stofftier Bello.
Wir drei segelten immer um die Welt und erlebten Abenteuer wie Pippi Langstrumpf.
Später hab ich mal von Bekannten eine große Kiste Legosteine geschenkt bekommen, mit denen ich dann von morgens bis abends gebaut habe.

Ich kann mich noch dran erinnern, dass meine Eltern selten zusammen zuhause waren. Mein Vater hatte zwei Jobs. Er arbeitete als Maler und am Wochenende und an manchen Abenden als Bergmann.
Morgens wenn er von der Arbeit kam, habe ich immer am Küchenfenster gestanden. Von da aus konnte man eine lange Straße weit einblicken, die den Berg hoch zu unserer Straße führte. Und immer dann, wenn ich einen Punkt in der Ferne erkannte, habe ich mich immer gefreut und schon ganz laut gerufen. Solange, bis er nah genug war und Mama mir erlaubte ihm entgegenzulaufen.
Natürlich winkte er schon von dem Punkt aus, an dem ich ihn erkennen konnte. Wir haben den Punkt mal gemeinsam Festgelegt und so im Nachhinein betrachtet, war dass wohl anstrengend. Aber er hat es immer gemacht.
Wenn er dann zuhause war, hat er entweder geschlafen oder wir sind zum Fußball. Musste Papa nicht arbeiten, konnte er eigentlich nichts ohne mich machen. Ich war ein Papakind und bin es noch heute.

Meine Mutter hatte die klassische Hausfrauenrolle und arbeitete nebenbei in einer Kneipe.
Es kam oft vor, dass sie beide schliefen und ich mich alleine beschäftigte.

So kam es auch dazu, dass ich einmal meine Eltern im Bett wie in einem Krimi mit Kreide ummalte, also so wie die Umrisse einer Leiche und die Umrisse habe ich dann anschließend mit einer Schere  ausgeschnitten. Die Haar meiner Mutter die dann zwischenzeitlich über die Makierung kamen, mussten dann natürlich auch ab.

Ein andermal habe ich die Zuckerdose im Schrank gefunden und hab Fasching gespielt. Dabei habe ich mit vollen Händen den Zucker in der Wohnung verteilt.
Das habe ich auch mal mit Öl gemacht, aber da kenne ich nicht mehr den kindlichen Sinn dahinter.

Aber meistens habe ich mit Hasso und der Holzkiste gespielt.
Mit 4 oder 5 durfte ich draußen „alleine“ mit den Nachbarskinder spielen. Wir spielen die üblichen Straßenspiele (Verstecken, Fangen, Himmel und Hölle usw.) Manmal gingen wir in den nahegelegenen Wald oder auf das Feld neben dem Spielplatz, sammelten Grashüpfer oder spielten Fußball.

Heim musste ich immer dann, wenn die Straßenlaternen angingen. Zwischenstatus gab es für meine Mutter eigentlich nur, wenn ich aufs Klo musste oder Hunger hatte.
Aus heutiger Sicht, wo ich selbst ja Mutter bin, undenkbar. Aber aus Kindersicht fabelhaft.

Rückblickend, halte ich diese Zeit für prägend und ich denke, dass dies einen Teil von mir geformt hat. Es war der Ursprung meiner Kreativität, meiner Selbstständigkeit und meiner Fantasie.

Montag, Juni 17, 2013

Millionen Legionen


Ich bin für dich da, 
nein ich bin wegen dir hier
und für uns beide ist klar,
haben wir ein Ziel im Visier,
dann setz ich alles auf dich,
mein Schweiß, mein Blut,
meine Tränen, meinen Mut,
bis hin zu Trauer und Wut.
Ich werde dir mein Leben geben,
weil's nicht anders geht,
forder dich heraus, mein Einsatz steht
und du findest in mir,
mit was ich mich verbunden hab,
einen Schatz, den ich mein Leben lang gefunden hab.
Mit jedem Satz bitt´ ich,
benütz mich, stütz dich auf mich.
Mit dem Wissen aller Weisen dieser Welt beschütz ich dich.
Wo ich bin stehn sie und wo ich geh gehen sie,
ich hab sie hergebeten, doch die wenigsten sehn sie.
Wir werden erwachen unter falschen Propheten,
um als Kinder dieser Erde unser Erbe anzutreten.

(Thomas D.)


Mittwoch, März 14, 2012

In den Straßen von San Francisco

Nachträglich noch ein paar Impressionen aus San Francisco. Wir waren letztes Jahr im November dort und hatten herrliches Wetter.

Hier seht ihr den Park zum Eingang der Berkeley Universität (kurz Cal).
Der absolute Wahnsinn wie es dort riecht. Nach Wald, Nadeln, Harz, so ursprünglich und rein.


Hier der View von Alcatraz auf die Skyline San Francisco.


Hier Bilder vom Google-Campus auf den wir uns unerlaubterweise umgeschaut haben. Der Hammer. Das ist eine eigene Stadt für sich. Google-Mitarbeiter fahren dort mit kleinen Fahrräder -in Google-Farben gehalten mit Körbchen fürs Laptop- rum. Kurz am Golfplatz vorbei zur Cafeteria, deren Vorplatz so groß ist wie unser Marktplatz.


Für alle Nicht-Nerds: Das sind keine Figuren des nächsten Disney-Film sondern die Maskottchen der Android-Versionen ... Cupcake, Froyo, Eclair, Gingerbread, Ice Cream Sandwich und Honeycomb ...


Bike the bridge! Checked. 
Vorbei am Strand, der zwar sehr schön aussieht, aber ins Wasser gehn da nur die Harten. Zum Picknicken absolut geeignet.


Hier der Blick von Fort Point...


... unmittelbar vor der Überfahrt nach Sausalito.